Lötrauchabsaugung: Gefahren, Vorschriften und die passende Absaugung

Lötrauchabsaugung

Das Wichtigste in Kürze

  • Lötrauch besteht beim Weichlöten vor allem aus Dämpfen des Flussmittels, beim Hartlöten zusätzlich aus Metallrauch.
  • Dämpfe aus kolophoniumhaltigen Flussmitteln können die Atemwege reizen und Allergien bis hin zu Asthma auslösen.
  • Löten zählt zu den schweißtechnischen Arbeiten nach TRGS 528. Ob und wie abgesaugt werden muss, legt die Gefährdungsbeurteilung fest.
  • Am wirksamsten ist die Erfassung direkt an der Lötstelle. Weil Lötrauch auch Gase enthält, gehört zur Rückführung in den Raum meist ein Aktivkohlefilter.

Lötrauch sieht harmlos aus: ein dünner, harzig riechender Faden über der Lötstelle. In der Serienfertigung, an Lötanlagen oder beim Hartlöten kommt aber über eine Schicht einiges zusammen. Dieser Beitrag erklärt, was im Lötrauch steckt, welche Regeln gelten und wie eine Lötrauchabsaugung aufgebaut sein sollte, damit sie im Alltag wirkt.

Was im Lötrauch steckt

Was beim Löten entsteht, hängt vor allem von der Temperatur, dem Lot und dem Flussmittel ab. Grob unterscheidet man zwei Verfahren:

Weichlöten Hartlöten
Temperatur unter 450°C über 450°C
Typische Anwendungen Elektronik, Leiterplatten, Kabel, Wellen-, Reflow- und Selektivlöten Rohrleitungen, Kältetechnik, Werkzeuge, Verbindungen im Maschinen- und Anlagenbau
Hauptbestandteile des Rauchs verdampftes und zersetztes Flussmittel, z. B. Kolophonium (Harz), feine Partikel Metallrauch aus dem Lot, z. B. Zink- oder Kupferoxide, dazu Dämpfe des Flussmittels
Besonders zu beachten Flussmitteldämpfe können sensibilisieren; bleihaltige Lote sind in der Elektronik nur noch in Ausnahmen erlaubt cadmiumhaltige Lote (heute selten) sind krebserzeugend; Flussmittel können Fluoride enthalten

Ein häufiges Missverständnis betrifft Blei: Bei üblichen Weichlöt-Temperaturen verdampft Blei kaum. Die größere Gefahr bei bleihaltigem Lot sind Lotreste und Staub, die über die Hände in den Mund gelangen. Hier helfen vor allem Hygieneregeln: nicht am Arbeitsplatz essen und trinken, Hände waschen, Arbeitsfläche sauber halten. Die Absaugung richtet sich in erster Linie gegen die Flussmitteldämpfe.

Wie gefährlich ist Lötrauch?

Lötrauch entsteht meist in kleineren Mengen als Schweißrauch, sollte aber nicht unterschätzt werden. Die Dämpfe reizen Augen und Atemwege; typische Beschwerden sind Husten, Kopfschmerzen und brennende Augen. Schwerer wiegt, dass die Zersetzungsprodukte von Kolophonium als atemwegssensibilisierend gelten: Wer ihnen über längere Zeit ausgesetzt ist, kann eine Allergie entwickeln, im schlimmsten Fall ein berufsbedingtes Asthma. Ist die Allergie einmal da, reichen oft schon kleine Mengen, um Beschwerden auszulösen.

Beim Hartlöten kommen Metallrauche hinzu. Zinkoxid kann zum Beispiel „Metallrauchfieber“ verursachen, eine grippeähnliche Erkrankung. Welche Stoffe im Einzelfall auftreten, steht in den Sicherheitsdatenblättern von Lot und Flussmittel – sie sind die wichtigste Grundlage für die Gefährdungsbeurteilung.

Welche Vorschriften gelten?

Für Lötrauch gibt es keine eigene Verordnung. Es gelten die allgemeinen Regeln für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen:

  • Arbeitsschutzgesetz und Gefahrstoffverordnung: Der Arbeitgeber beurteilt die Gefährdung an jedem Lötplatz und legt Schutzmaßnahmen fest. Technische Maßnahmen wie die Absaugung haben Vorrang vor Atemschutz.
  • TRGS 528 „Schweißtechnische Arbeiten“: Sie gilt auch für das Löten und verlangt, Rauch möglichst an der Entstehungsstelle zu erfassen.
  • TRGS 900 „Arbeitsplatzgrenzwerte“: Der allgemeine Staubgrenzwert liegt bei 1,25mg/m³ für den alveolengängigen und 10mg/m³ für den einatembaren Anteil. Für einzelne Stoffe, etwa Metalloxide, gelten eigene Werte.
  • TRGS 560 „Luftrückführung“: Sie regelt, wann gereinigte Luft bei krebserzeugenden Stoffen zurück in den Raum darf – beim Hartlöten mit cadmiumhaltigen Loten zum Beispiel.

Muss also jeder Lötplatz eine Absaugung haben? Nicht zwingend. Bei gelegentlichem Löten mit kleinen Mengen kann die Gefährdungsbeurteilung zu dem Ergebnis kommen, dass eine gute Raumlüftung reicht. Dieses Ergebnis muss aber begründet und dokumentiert sein. An Dauerarbeitsplätzen, in der Serienfertigung, an Lötanlagen und beim Hartlöten ist eine Absaugung an der Quelle in der Praxis der Regelfall.

Dieser Beitrag gibt einen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist die aktuelle Fassung.

So wird Lötrauch erfasst

Lötrauch steigt mit der warmen Luft fast senkrecht auf – direkt in den Atembereich, wenn sich jemand über die Arbeit beugt. Deshalb kommt es vor allem darauf an, ihn abzufangen, bevor er nach oben steigt. Je nach Arbeitsplatz bieten sich an:

  • Absaugdüse oder kleiner Absaugarm: für Handlötplätze. Die Düse sitzt wenige Zentimeter neben der Lötstelle. Wichtig ist, dass sie im Alltag auch dort steht – das gehört in die Unterweisung.
  • Absaugung an der Lötspitze: Der Rauch wird direkt am Lötkolben abgesaugt. Das braucht wenig Luft, erfordert aber passende Werkzeuge.
  • Haube oder Einhausung: für Wellen-, Reflow- und Selektivlötanlagen, Lötroboter und Ofenlötungen. Die Anlage wird an ihren Austrittsstellen gezielt abgesaugt.
  • Absaugtisch: für Hartlötplätze mit größeren Bauteilen, der Rauch wird nach hinten oder unten weggezogen.

Hinter der Erfassung steht entweder ein Gerät am einzelnen Platz oder eine zentrale Anlage für mehrere Plätze. Bei vielen Lötplätzen ist eine zentrale Lösung meist übersichtlicher in Wartung und Betrieb.

Welche Filter braucht eine Lötrauchabsaugung?

Lötrauch besteht aus feinen Partikeln und aus Gasen. Ein Partikelfilter allein reicht deshalb nicht, wenn die Luft in den Raum zurückgeführt werden soll. Bewährt hat sich ein Aufbau in Stufen:

  1. Vorfilter: fängt grobe Partikel ab und schützt die nachfolgenden Stufen.
  2. Feinfilter bzw. Schwebstofffilter: scheidet die feinen Rauchpartikel ab. HEPA-Filter der Klasse H13 halten mindestens 99,95% zurück, H14 mindestens 99,995% – mehr dazu im Beitrag HEPA-Filter.
  3. Aktivkohlefilter: bindet gasförmige Bestandteile und Gerüche. Welche Aktivkohle passt, hängt von den Stoffen ab.

Alternativ wird die Luft nach außen abgeführt. Das ist einfacher in der Filtertechnik, kostet aber im Winter Heizenergie und braucht ausreichend Frischluft. Gewechselt werden die Filter nach Differenzdruck und Herstellerangaben, nicht nach festem Kalender. Gebrauchte Filter werden als belasteter Abfall entsorgt.

Checkliste für Ihre Lötplätze

  1. Sicherheitsdatenblätter von Lot und Flussmittel liegen vor und sind in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt?
  2. Für jeden Lötplatz ist festgelegt, ob und wie abgesaugt wird – und warum?
  3. Die Erfassung sitzt nah an der Lötstelle und wird im Alltag tatsächlich so genutzt?
  4. Bei Rückführung in den Raum: Partikelfilter und Aktivkohle vorhanden?
  5. Filterwechsel nach Differenzdruck geregelt und dokumentiert?
  6. Hygieneregeln bei bleihaltigem Lot bekannt und umgesetzt?
  7. Wirksamkeit der Absaugung regelmäßig geprüft?

So unterstützt KAWEHA

KAWEHA plant und baut seit 1991 Absauganlagen für die Industrie, mobil oder zentral, modular erweiterbar. Für Lötrauch bringen wir die Erfahrung aus der Schweißrauchabsaugung mit: Erfassung direkt an der Quelle, Nachfilter bis H14 und – wo Dämpfe und Gerüche im Spiel sind – Aktivkohlestufen, ausgelegt auf Ihre Stoffe. Wir konstruieren selbst, fertigen in Nordhessen und betreuen die Anlagen auch nach der Montage. Der Ablauf: kostenlose Erstberatung, Abstimmung per Teams oder Telefon, Begehung vor Ort, dann Konzept und Angebot.

Zur Rauchabsaugung von KAWEHA → · Aktivkohle-Anlagen für Gase und Dämpfe →

Lötrauch in Ihrer Fertigung absaugen?

Ein Fachmann meldet sich innerhalb von 24 Stunden.

Kostenlose Beratung anfordern → +49 561 510 54-0

Häufige Fragen

Ist Lötrauch gefährlich?

Ja, vor allem bei häufigem Löten. Die Dämpfe kolophoniumhaltiger Flussmittel reizen die Atemwege und können Allergien bis hin zu Asthma auslösen. Beim Hartlöten kommen Metallrauche hinzu. Wie groß die Gefahr im Einzelfall ist, zeigt die Gefährdungsbeurteilung.

Ist eine Lötrauchabsaugung Vorschrift?

Die TRGS 528 verlangt, Rauch möglichst an der Entstehungsstelle zu erfassen; sie gilt auch für das Löten. Ob an einem bestimmten Platz abgesaugt werden muss, ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung. An Dauerarbeitsplätzen, in der Serienfertigung und beim Hartlöten ist die Absaugung an der Quelle in der Praxis der Regelfall.

Reicht ein Partikelfilter für Lötrauch?

Wenn die Luft in den Raum zurückgeführt wird, meist nicht. Lötrauch enthält auch gasförmige Bestandteile, die ein Partikelfilter nicht zurückhält. Dafür ist eine Aktivkohlestufe nötig. Alternativ wird die Luft nach außen abgeführt.

Wie oft muss der Filter gewechselt werden?

Partikelfilter nach Differenzdruck, Aktivkohle nach Sättigung bzw. Herstellerangaben. Ein festes Intervall für alle Anlagen gibt es nicht; es hängt davon ab, wie viel und womit gelötet wird.

Ist bleifreies Löten unbedenklich?

Nein. Die Absaugung richtet sich vor allem gegen die Flussmitteldämpfe, und die entstehen auch beim bleifreien Löten. Weil bleifreie Lote meist höhere Temperaturen brauchen, kann sogar mehr Flussmittel verdampfen.