Prozessluftreinigung: So wird Prozessabluft in der Industrie gereinigt
Das Wichtigste in Kürze
- Prozessabluft ist Luft, die an Maschinen, Öfen, Trocknern oder Kabinen abgesaugt wird und Stoffe aus dem Prozess mitnimmt.
- Es gibt kein Verfahren für alles: Staub, Rauch und Nebel werden mit Filtern abgeschieden, Gase und Lösemitteldämpfe zum Beispiel mit Aktivkohle.
- Gereinigte Luft kann zurück in die Halle oder nach außen. Beides hat eigene Regeln – und großen Einfluss auf die Heizkosten.
- Gute Planung beginnt mit der Frage: Welche Stoffe, wie viel Luft, wie viele Stunden am Tag?
In fast jeder Fertigung wird Luft abgesaugt: an der Werkzeugmaschine, am Schweißplatz, am Trockner oder an der Lackierkabine. Diese Luft trägt mit, was im Prozess entsteht. Bevor sie zurück in die Halle oder ins Freie geht, muss sie gereinigt werden. Dieser Beitrag erklärt, wie Prozessluftreinigung in der Industrie funktioniert, welches Verfahren zu welchem Stoff passt und worauf es bei der Planung ankommt.
Prozessluft und Prozessabluft – was ist gemeint?
Die Begriffe werden oft durcheinander verwendet. Eine einfache Unterscheidung:
- Prozessluft ist Luft, die ein Prozess braucht, etwa zum Trocknen, Kühlen oder Fördern.
- Prozessabluft ist Luft, die nach dem Prozess abgesaugt wird und dabei Stoffe aufgenommen hat: Staub, Späne, Öl- und Emulsionsnebel, Rauch, Dämpfe oder Gerüche.
Wenn von Prozessluftreinigung die Rede ist, geht es in der Praxis meist um die Prozessabluft. Sie ist auch das Thema dieses Beitrags. Nicht gemeint ist die Aufbereitung von Druckluft – dafür gibt es eigene Filter und Trockner.
Wie funktioniert Luftreinigung in der Industrie?
Jede Anlage zur Abluftreinigung besteht aus denselben Grundbausteinen:
- Erfassung: Haube, Einhausung, Absaugarm oder direkter Anschluss an die Maschine. Je näher an der Quelle, desto weniger Luft muss bewegt werden.
- Rohrleitung: führt die Luft zur Anlage, ausgelegt so, dass sich unterwegs nichts ablagert.
- Abscheidung: eine oder mehrere Filterstufen, passend zu den Stoffen in der Luft.
- Ventilator und Steuerung: sorgen für die nötige Luftmenge, oft angepasst an den tatsächlichen Bedarf.
- Rückführung oder Fortluft: Die gereinigte Luft geht zurück in die Halle oder über das Dach ins Freie.
Der wichtigste Baustein ist die Abscheidung. Welches Verfahren passt, entscheidet sich am Stoff.
Welches Verfahren für welchen Stoff?
| Was in der Luft ist | Typische Quelle | Bewährtes Verfahren |
|---|---|---|
| Staub und Späne | Schleifen, Sägen, Fördern, Abfüllen | Filterpatronen oder Taschenfilter, meist mit automatischer Abreinigung; bei brennbaren Stäuben mit Explosionsschutz |
| Öl- und Emulsionsnebel | Drehen, Fräsen, Schleifen mit Kühlschmierstoff | mehrstufige Koaleszenzfilter, alternativ elektrostatische Abscheider |
| Schweiß- und Lötrauch | Schweißen, Löten, thermisches Schneiden | Filteranlage mit Funkenschutz, bei Bedarf Schwebstoff-Nachfilter (HEPA) |
| Lösemitteldämpfe (VOC), Gerüche | Trockner, Lackieren, Kleben, Reinigen | Aktivkohle; bei sehr großen Lösemittelmengen auch thermische Verfahren |
| Mischungen | z. B. Lackieren: Farbnebel und Lösemittel | Kombination: erst Partikelfilter, dann Aktivkohle |
Bei Mischungen gilt eine einfache Regel: Erst die Partikel, dann die Gase. Ein Partikelfilter vor der Aktivkohle hält sie frei, sodass sie deutlich länger hält.
Filter für Staub, Nebel und Rauch
Partikel werden mechanisch abgeschieden: Sie bleiben an den Fasern des Filtermediums hängen. Bei trockenem Staub reinigt sich der Filter per Druckluftstoß selbst ab, der Staub fällt in einen Sammelbehälter. Bei Öl- und Emulsionsnebel fließen die Tröpfchen an den Fasern zusammen und laufen ab – mehr dazu im Beitrag Ölnebelfilter. Für sehr feine oder gefährliche Partikel kommt ein Schwebstofffilter als letzte Stufe dazu (siehe HEPA-Filter).
Aktivkohle für Gase und Dämpfe
Gase und Dämpfe lassen sich nicht wie Staub ausfiltern. Hier hilft Aktivkohle: Ihre innere Oberfläche ist so groß, dass sie viele Stoffe bindet (Adsorption). Wichtig ist, dass die Aktivkohle zum Stoff passt – nicht jede Kohle bindet jeden Stoff gleich gut. Ist sie gesättigt, wird sie ausgetauscht. Bei großen Luftmengen und dauerhaftem Betrieb haben sich Anlagen mit einem Schüttbett bewährt, bei denen die Aktivkohle lose eingefüllt wird.
Praxisbeispiel: Lösemitteldämpfe aus Durchlauftrocknern
Ein Hersteller von Faserverbundwerkstoffen betreibt sechs Fertigungslinien mit Durchlauftrocknern. Beim Trocknen entweichen Lösemitteldämpfe. KAWEHA hat dafür eine Aktivkohle-Schüttbettanlage vom Typ AKSBF 20F HC mit 9.000m³/h geplant und gebaut. Sie läuft 18 Stunden am Tag an 270 Tagen im Jahr und bindet in dieser Zeit rund 3.630kg Lösemitteldämpfe (VOC) pro Jahr, die sonst in die Umgebung gelangen würden.
Zurück in die Halle oder nach außen?
Abgesaugte Luft ist im Winter beheizte Luft. Wer sie ins Freie bläst, muss frische Luft nachheizen. Deshalb lohnt sich die Frage, wohin die gereinigte Luft geht:
| Rückführung in die Halle | Fortluft nach außen | |
|---|---|---|
| Vorteil | Wärme bleibt im Gebäude | Stoffe, die nicht vollständig abgeschieden werden, gelangen nicht in die Atemluft |
| Voraussetzung | Luft muss so gut gereinigt sein, dass sie die Atemluft nicht belastet; bei krebserzeugenden Stoffen gelten besondere Bedingungen (TRGS 560) | ausreichend Zuluft; je nach Anlage gelten Anforderungen des Immissionsschutzes |
| Energie | geringe Wärmeverluste | Wärmeverluste, die sich mit einer Zu- und Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung deutlich verringern lassen |
Für die Abluft nach außen können je nach Anlage Grenzwerte gelten, etwa aus der Genehmigung, der TA Luft oder – bei Lösemitteln – der 31. BImSchV. Ob und welche Anforderungen für Ihren Betrieb gelten, klären Sie am besten früh mit der zuständigen Behörde.
Dieser Beitrag gibt einen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist die aktuelle Fassung.
Checkliste für die Planung
- Welche Stoffe entstehen? Sicherheitsdatenblätter und Verbrauchsmengen liegen vor?
- Wo genau entstehen sie, und wie lassen sie sich an der Quelle erfassen?
- Wie viel Luft muss abgesaugt werden, und wie viele Stunden am Tag?
- Sind brennbare Stäube oder Lösemittel im Spiel? Dann Explosionsschutz mitdenken.
- Soll die Luft zurück in die Halle oder nach außen? Was bedeutet das für die Heizkosten?
- Gibt es Auflagen für die Abluft aus Genehmigung oder Immissionsschutz?
- Wer kümmert sich um Filterwechsel, Wartung und Prüfung?
So unterstützt KAWEHA
KAWEHA plant und baut seit 1991 Anlagen zur Prozessluftreinigung: Staubfilter, Ölnebelabscheider, Schweißrauchfilter und Aktivkohle-Anlagen – mobil oder zentral, modular erweiterbar, auf Wunsch mit Wärmerückgewinnung. Wir konstruieren selbst, fertigen in Nordhessen und übernehmen Planung, Montage und Service aus einer Hand. Der Ablauf: kostenlose Erstberatung, Abstimmung per Teams oder Telefon, Begehung vor Ort, dann Konzept und Angebot.
Alle Absauganlagen von KAWEHA → · Aktivkohle-Anlagen für Gase und VOC →
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Häufige Fragen
Was ist Prozessluftreinigung?
Die Reinigung von Luft, die in der Fertigung an Maschinen, Öfen, Trocknern oder Kabinen abgesaugt wird. Je nach Stoff werden Partikel mit Filtern und Gase oder Dämpfe zum Beispiel mit Aktivkohle abgeschieden.
Was ist der Unterschied zwischen Prozessluft und Prozessabluft?
Prozessluft braucht ein Prozess, etwa zum Trocknen oder Kühlen. Prozessabluft ist die Luft, die danach abgesaugt wird und Stoffe aus dem Prozess mitführt. Gereinigt wird in der Regel die Prozessabluft.
Welches Verfahren ist das beste?
Das hängt vom Stoff ab. Staub, Rauch und Nebel werden mit Filtern abgeschieden, Gase und Lösemitteldämpfe mit Aktivkohle oder anderen Verfahren. Bei Mischungen werden die Verfahren kombiniert: erst die Partikel, dann die Gase.
Darf gereinigte Prozessabluft zurück in die Halle?
Oft ja, wenn sie so gut gereinigt ist, dass sie die Atemluft nicht belastet. Bei krebserzeugenden Stoffen gelten besondere Bedingungen nach TRGS 560. Bei Lösemitteldämpfen wird die Luft meist nach außen geführt.
Lässt sich die Wärme der Abluft nutzen?
Ja. Wird die Luft nach außen geführt, kann eine Zu- und Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung einen großen Teil der Wärme an die frische Zuluft übertragen.



